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27.03.2026

Kelp

 

 



Die Netflix-Doku "Mein Lehrer, der Krake" fasziniert seit Erscheinung in 2020 Millionen Zuschauer*innen von den vielfältigen und lebenswerten Oktopoden. Kelp basiert als Brettspiel auf genau diesem Film und der faszinierenden Geschichte dahinter, setzt den Fokus aber auf das alltägliche Duell im Kelp-Wald: Wird der Katzenhai den Achtarmigen aufspüren und töten oder entkommt der Oktopus durch geschickte Manöver? Ein außergewöhnliches Spiel in Konzept, Design und Mechanismus. 

Kelp ein asymmetrisches Dull-Spiel von Carl Robinson für 2 Spieler*innen und dauert circa 40-60 Minuten.

[Spielmaterial: Absolute Welt(meer)-Klasse]

 

Wonderbow zählt mit Titeln wie Whispering Woods, Rebel Princess und Leaders zu den absoluten Qualitätsgaranten, was Design und Produkt-Qualität betrifft. Kelp schließt sich da nahtlos an und verdient jede Bestnote für die Komponenten.

Schon das Cover macht natürlich mit seiner starken Farbgebung und der spannenden, zwischen natürlich und fantastischen Illustration schwankenden Gestaltung etwas her. Hier schonmal Hut ab an den Künstler Weberson Santiago!

In der Schachtel erwartet euch dann ein 1A-Inlay mit einem Spielplan, diversen Karten, einem ganzen Beutel voller bunter Würfel, hochwertigen Mahjong-ähnlichen Spielsteinen und einer wunderschönen Hai-Miniatur. Das sieht alles großartig aus und gehört zu den absoluten Schönheiten der vielen Meeresspiele. Aber kann das Spiel auch mithalten oder ist das alles nur ein Balz-Tanz, um ahnungslosen Brettspieler*innen die Einkaufskörbe zu füllen?


[Spielablauf: Knallharte Asymmetrie]

So entspannt das Meer als Bade-Tourist*in in der Regel abläuft – als Meeresbewohner*in geht es hier fast täglich ums nackte Überleben. Wenn ihr euch von Kelp die Gemütlichkeit eines Sonnenuntergangs an der Nordsee erhofft, habt ihr euch im Spiel vertan. Hier erwartet euch von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem fast jeder Zug über den Sieg entscheiden kann.

Dabei gibt es drei Szenarien, wie das Spiel ausgehen kann:

  • Der Hai gewinnt, weil er den Oktopus findet und frisst.
  • Der Oktopus gewinnt, weil er alle vier Futtersorten frisst.
  • Der Oktopus gewinnt, weil der Hai verhungert ist.

Ihr wählt also zu Beginn erstmal, wer welche Rolle übernimmt und setzt euch an die entsprechende Version am Spielplan. Dann erwarten euch zwei völlig unterschiedliche Spielerlebnisse.

[Der Oktopus: Acht Arme für ein Versteck]

Mit dem Oktopus ist euer Ziel: Überleben und im besten Fall auch etwas zu fressen zu bekommen. Als Meister der Tarnung wollt ihr euren Aufenthaltsort im Kelp-Riff im besten Fall gar nicht bekannt geben, ihr könnt aber auch taktisch mit euren Informationen umgehen.

Spielerisch löst ihr das mit den eingangs erwähnten Mahjong-Steinen. Auf denen sind Muscheln, Fallen, Futter oder euer Oktopus zu sehen. Neun dieser Plättchen stellt ihr auf die neun Sektoren des Spielplans – so herum, dass der Hai sie nicht sieht. Auf einem dieser Plättchen ist euer Oktopus zu sehen; Das ist euer Aufenthaltsort. Findet euch der Hai hier, kann er euch angreifen.

Mit Handkarten aus eurem Start-Deck könnt ihr:

  • die Steine in eurem Zug bewegen, aufdecken (dann sieht der Hai sie also auch), sie vertauschen oder mischen. Damit könnt ihr die Steine zu euren Gunsten legen. 
  • neue Karten aus einer Auslage erlenen und euer Deck damit erweitern.
  • fressen, wenn euer Oktopus-Stein neben einem Futter-Stein steht.


Als Kosten für ausgespielte Karten müsst ihr jedoch immer eine bestimmte Anzahl an Steinen auf dem Spielbrett aufdecken. Heißt: Für jede eurer Aktionen gebt ihr dem Hai auch etwas über euren Aufenthaltsort preis.


[Der Hai: Kraken sind Futter, keine Freunde]


 

Als Hai tummelt ihr euch eingangs völlig unbefangen durch den Kelpwald, aber ihr habt vor allem ordentlich Kohldampf. Da könnte nichts so gut gegen das Magenkurren helfen wie ein glitschiger Oktopode. Als Hai bewegt ihr euch übers Spielfeld, könnt Verstecke aufdecken und angreifen.
Spielerisch macht ihr das mit Hilfe eurer Würfel. Diese zieht ihr aus eurem Würfel und könnt verschiedene Dinge mit ihnen machen:

  • Blaue Würfel stellen Strömungen dar, mit denen ihr euch schneller bewegt
  • Gelbe Würfel sind zum Aufdecken der Steine da. So findet ihr mehr zu den Positionen heraus. Ihr könnt aber auch Pech haben und eine Falle erwischen, die euch dann einen Malus gibt.
  • Rote Würfel sind Angriffe, mit denen ihr den (vermeintlichen) Oktopus angreifen könnt.


Durch das Einsetzen von Würfeln könnt ihr neue Dauer-Aktionen freischalten, verbraucht aber auch Energie oder steigt in eurer Hunger-Skala nach oben. Ist die einmal voll, habt ihr verloren.
Im besten Fall greift ihr also ein Feld an, wo auch der Oktopus steht. Dann kommt es zum Showdown: der Konfrontation.

[Die Konfrontation]


Bei der Konfrontation ist der Nervenkitzel entsprechend besonders hoch: Eine falsche Karte entscheidet über das Schicksal der beiden Meeresbewohner. Dafür haben beide Parteien drei Farbkarten zur Verfügung. Gleichzeitig und verdeckt wählt ihr je eine Karte aus. Dann deckt ihr sie auf 3…2…1… um!

Haben beide die gleiche Farbe gewählt – gewinnt der Hai
Haben beide unterschiedliche Farben gewählt – macht der Oktopus ein Manöver und entkommt noch einmal

In letzterem Fall geht das Spiel weiter und der Oktopus kann die Aktion auf seiner Manöver-Karte ausführen. Dann wird die Karte und die entsprechende Farb-Karte des Hais aus dem Spiel genommen. Ihr habt also maximal drei Konfrontationen in der gesamten Partie. Bei der dritten gewinnt der Hai immer.


[Fazit: Nur was für heftige Konfrontationen unter Wasser]

Es gibt Duell-Spiele, da liegt der Fokus auf Wohlfühlen und dann gibt es Kelp. Wer sich gedanklich schon immer in einen wirklich spannenden Unterwasser-Kampf hineinversetzen wollte, wird mit diesem Spiel seine helle Freude haben. 

Die Mischung aus erstklassiger Optik und spannender Asymmetrie führt zu einem einzigartigen Spielgefühl. Das Balancing der beiden Seiten wird dabei ab und an etwas hinterfragt: Während der Oktopus jeden Zug (fast) komplett in der Tentakel hat, muss der Hai auch auf Würfelglück vertrauen. Und das gleich doppelt: Durch das Ziehen der richtigen Würfel im richtigen Moment und auf die Augenzahlen selbst.

Kelp kann damit definitiv für Frust sorgen. Aber auf beiden Seiten! So kann eine Partie auch mal in der zweiten Runde vorbei gehen, wenn der Hai (durch Zufall oder Glück) das richtige Feld angreift und das Manöver des Oktopoden scheitert. Für den Hai kann es aber auch zu einem frustrierenden Hinterherschwimmen kommen, bei dem das Würfelglück einen Strich durch die Rechnung macht.

Dank der vielen Auflevel-Möglichkeiten sowohl bei Oktopus als auch bei Hai entsteht aber viel Raum für Anpassungen, für neue Taktiken, Strategien und Zwischenebenen. 

Wer sich vor einer so hohen Konfrontationsdichte scheut, sollte Kelp trotz der tollen Optik lieber nicht an Land holen. Für Fans großer Duelle bringt Kelp das Hidden Movement Genre auf ein kompaktes, aber doch taktisches Niveau in wunderschönster Verpackung. 

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Kelp von Carl Robinson
Erschienen bei Wonderbow
Für 2 Spielende in 40-60 Minuten ab 12 Jahren
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sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Wonderbow)

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