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31.10.2024

Die Artemis-Odyssee


Im Jahr 2019 erschien bei Grand Gamers Guild und dann auch bei Grimspire im Deutschen das Spiel “ Das Artemis Projekt”. Ein Auktionsspiel mit Würfel-Workern und toller Optik. Und nun steht der Nachfolger bereit und zwar “Die Artemis Odyssee”. Aber eins sei schon mal gesagt: spielerisch, wie auch thematisch haben die Titel dann doch nichts miteinander zu tun. Insgesamt möchte man bei Grand Gamers Guild wahrscheinlich eine kleine Welt entstehen lassen und so hat man die Brücke geschlagen, dass die gefundenen Artefakte aus dem Projekt zum Weltraumreisen bei der Odyssee geführt haben.

Beim Spiel von Bruno Faidutti und Serge Laget handelt es sich aber auch eigentlich gar nicht um ein komplett neues Spiel, vielmehr ist es eine Neuauflage des Titels “Ad Astra”, welches u.a. bei Fantasy Flight Games bzw. Heidelberger Spieleverlag erschienen ist. Die Artemis Odyssee ist für 1-5 Spieler ab 14 Jahren und dauert etwa 45 Minuten.



Wie schon eingangs angedeutet, geht es nun in den Weltraum, in welchem wir uns nun ausbreiten möchten. Wir sind in der Lage, in verschiedene Galaxien zu reisen und dort auf Planeten Gebäude zu bauen. Mit der Ausbreitung sammeln wir Punkte und wer zuerst auf die magische Punktzahl von 77 kommt, läutet die letzte Runde ein und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Zu Beginn einer Runde planen wir mittels Handkarten unsere Aktionen, die wir nach und nach verdeckt auf eine Position des Reihenfolgentableaus legen. Welche Position wir wählen ist frei, ist eine Position bereits besetzt, kann diese aber nicht mehr gewählt werden. Ist die Reihe voll beginnt auch schon die nächste Phase und die Aktionskarten werden nun von links nach rechts umgedreht und abgearbeitet.



Nun bekommen wir ein wenig “Puerto Rico”-Vibes, denn von jeder gewählten Aktion partizipieren ALLE Spieler. Der Spieler, welcher die Aktion gewählt hat, bekommt aber einen Vorteil. Die Aktionen sind dabei klar und simpel. So gibt es z.B. sechs Ressourcen im Spiel. Wasser, Lebensmittel, Energie, Xanthium, Yelekite und Zophrite. Auf den Karten gibt es jeweils zwei Ressourcen, die aktiviert werden können, wobei der aktive Spieler wählt welche genommen werden kann. Um welche zu bekommen, muss man aber auch auf entsprechenden Planeten Raumschiffe, Kolonien oder Fabriken haben.

Diese Gebäude zu bauen ist natürlich ebenfalls eine Aktion, dafür muss ich entsprechend Ressourcen abgeben und der aktive Spieler darf dann sogar zwei Gebäude bauen. Auch das Reisen ist eine Aktion, so starten wir alle in unserem Sonnensystem und springen von dort aus in andere Galaxien. Hier hat man sich für acht Sternkreiszeichen entschieden und jeder Spieler hat mit seinen Karten Zugang zu sechs davon, die fehlenden Zwei muss man halt nutzen, wenn Mitspieler diese verwenden. Beim Erkunden darf ich mir die umliegenden Planeten ansehen und eins wählen. Jeder Planet steht dabei für eine Ressource oder für einen Alien Planet!


Diese Alien Planeten möchten wir am liebsten finden, denn wenn ich dort Gebäude baue, erhalte ich sofort Punkteboni und sie liefern mir Artefakt-Karten, die ich für weitere Aktionen verwenden kann. Dann gibt es noch die Aktion “Handeln” bei der ich mit meinem Mitspielern die Ressourcen handeln kann, wenn sich da aber nichts ergibt, kann der aktive Spieler auch mit der Bank handeln. Der erste Wechsel ist 1:1 und steigert sich dann mit jedem weiteren Handeln (2:1; 3:1; etc).

Last but not least gibt es die wichtigen Wertungsaktionen, verwende ich so eine Karte, wähle die genannte Rubrik, die nun gewertet wird, der Spieler der eindeutig die meisten Punkte bekommt, bekommt noch 3 Bonuspunkte und der Spieler mit den wenigsten erhält einen Malus von 2 Minuspunkten. Diese Karte ist danach dann aber aus dem Spiel und kommt erst zurück auf die Hand, wenn ich ALLE verfügbaren Wertungskarten verwendet habe.


Am Ende der Runde bekommen alle ihre Karten zurück (außer Wertungskarten) und eine neue Planung beginnt. Wie erwähnt endet das Spiel sobald ein Spieler 77 Punkte erreicht hat.

Die Artemis-Odyssee ist ein grundsolides Spiel, welches gut funktioniert, mich aber nicht direkt vom Hocker reißt. Der spannendste Teil des Spiels ist immer die Überlegung, welche Aktion ich an welche Stelle lege, unter Berücksichtigung, dass es ja auch ausreichend sein könnte die Aktion des Mitspielers zu nutzen. Das macht Spaß und ist cool. Aber die Aktionen selbst fühlen sich auf Dauer etwas repetitiv an: Ressourcen sammeln, Gebäude bauen, werten! Repeat!


Auch optisch holt mich die Artemis-Odyssee so leider gar nicht ab. Auf dem Tisch sieht es leider nach einer wilden Ansammlung von Plättchen aus und nicht wirklich nach dem Weltraum, Galaxien und Planeten - hier wäre ein Weltraum-Spielmatte perfekt! Auch so hapert es an Symbolik und Übersicht - stehen Gebäude auf den Planeten, ist es zum Teil schwer zu erkennen welche Ressource dort produziert wird, gerade in den ersten Partien und bei den X-Y-Z-Ressourcen…

Übrigens kommen im 2-Personen-Spiel noch Singularitätskarten hinzu, dies sind Ereignisse, die uns etwas schneller vorankommen lassen - gute Idee, die Karten fand ich sehr gut.

Die Artemis-Odyssee macht eigentlich nichts falsch, aber es hebt sich am Ende auch nicht ausreichend ab, um in der Masse der Spiele sich einen Platz in meinem Herzen zu sichern. Wer aber auf die verdeckte Aktionsplanung Lust hat und mit dem Thema was anfangen kann, der sollte hier schon seinen Spaß haben. Anspielen ist angesagt!


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Die Artemis Odyssee von Bruno Faidutti & Serge Laget
Erschienen bei Grimspire
Für 1-5 Spieler in ca. 60-90 Minuten ab 13 Jahren
sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Grimspire)
*es handelt sich um einen Affiliate-Link

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17.11.2023

Vienna


Vienna, Viena, Viin, Vine oder eben Wien ist der Schauplatz des 5. Teils der Stefan Feld City Collection bei Queen Games. Wer jetzt den süßen Geruch von Wiener Melange und Apfelstrudel in der Nase hat, der ist am Spieleregal falsch abgebogen und muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Stattdessen knallen wir auf den harten Boden der Nachkriegszeit und finden uns im Wiener Agentenmillieu wieder. Schokolade und Kaffee finden wir hier tatsächlich wieder. Allerdings nicht zum verköstigen, sondern um sie neben Zigarren, Wein und Nacktmagazinen als Bestechungsmittel einzusetzen. 
Denn in Vienna geht es darum, möglichst geschickt seine Agenten in besetzten Gebäuden unterzubringen und die über Wien verteilten Geheiminformationen zu sammeln. Selbstverständlich seinen Konkurrenten stets einen Schritt voraus. 

Im Test hatten wir die Deluxe Version von Vienna und beim auspacken hatte ich direkt ein paar Wow Momente. Zum Verstauen der zahlreichen Komponenten liegen insgesamt 7 Pappschachteln dabei. Passend eingelegt ergeben sie sogar ein ganzes Bild: 


Daneben zeichnet sich die Deluxe Version durch Acryl Komponenten aus. Die Agenten, sowie die auf dem Spielplan ausliegenden Geheiminformationen, sind aus Acryl. Das sieht zweifelsfrei einfach super aus und macht auf dem Tisch ordentlich was her: 



Doch leider haben die Acryl Teile – wahrscheinlich Produktionsbedingt – scharfe Kanten. Wer seine Meeple also gerne in der Hand hält und damit spielt, wird kein schönes Erlebnis dabei haben. Handschmeichler sind sie leider keine. 

Insgesamt ist die Qualität aber hervorragend – was man bei einer Deluxe Version durchaus erwarten darf – und die Playerboards, die kleine Schreibtische darstellen, sind double layer. 


Nun zurück zum Spiel: 
Der Hut sitzt, der Agentenmantel ist umgeworfen. 
Eine Runde besteht aus 4 Phasen, wobei die erste Phase von allen Mitspielern - Pardon Geheimdiensten - gleichzeitig ausgeführt wird. 


Jeder Spieler erhält drei Karten. Jede Karte ist in drei Bereiche eingeteilt und muss nun entsprechend an das Playerboard gelegt werden. Je nachdem wo die Karte abgelegt wird, wird später in der entsprechenden Phase ein anderer Teil der Karte aktiviert. Es wird ein dauerhafter Effekt aktiviert, man erhält ein Bestechungsmittel oder eine Geheiminformation wird gelevelt, wofür man direkt Siegpunkte erhält, insofern man bereits im Besitz dieser Geheiminformation ist. 

Hat sich jeder für seine ideale Action Queue entschieden, geht es los mit dem Startspieler. Neben der Aktivierung der Karten wird jetzt zusätzlich ein Agent in einem Gebäude platziert. 
Um die Agenten zu platzieren werden jeweils zwei in dem Gebäude verlangten Bestechungsmittel benötigt. Außer, man hat entsprechende Dauereffekte ausliegen, die das Einsetzen günstiger oder sogar kostenlos machen.

So lange der Agent in dem Gebäude steht und seinen Einfluss ausübt, beherrscht er gleichzeitig den angrenzenden Platz. Hat man seinen Einfluss an allen Zugängen dieses Platzes verteilt, erhält man die dort vorhandene Geheiminformation und die entsprechenden Siegpunkte. Ist eine Geheiminformation abgegriffen, gehen alle anderen an der Stelle natürlich leer aus. 



Haben alle Spieler ihre Aktionen gespielt, wandert der Startspieler weiter und die Runde beginnt von Neuem. 
Eine feste Rundenanzahl gibt es nicht.
Beim Leveln der Geheiminformationen schreitet in gewissen Abständen ebenfalls der Detektiv auf der Leiste voran. Abhängig von der Spieleranzahl endet das Spiel, wenn der Detektiv eine bestimmte Schwelle überschreitet. Gewonnen hat natürlich der Spieler mit den meisten Siegpunkten. 
Neben den Punkten die während des Spiels gesammelt wurden, erhält man zum einen noch Punkte für die Geheiminformationen. Die Höhe ist abhängig davon, wie stark die Geheiminformation während des Spielverlaufs gelevelt wurden. Bei der Einsteigerversion erhält man zusätzlich noch Punkte pro Set aus Geheiminformationen. 

Expertenversion
Neben dieser Einsteigerversion enthält Vienna noch eine Voll- bzw. Expertenversion und die bringt einige Änderungen mit und macht das Spiel für Vielspieler erst richtig interessant, da mehr Strategie ins Geschehen kommt.

Das Spielbrett wird einmal gewendet und die Gebäude erhalten nun weitere Merkmale. 
Zusätzlich erhalten Aufträge und Geld Einzug und Updates für den eigenen Schreibtisch können ab sofort erworben werden. Dazu wollen die Agenten für ihre Arbeit nun auch hin und wieder entlohnt werden, da sie ansonsten ihren Heimweg antreten und das Gebäude räumen. Geld erhält man durch das Aufnehmen und erledigen von Aufträgen. 

Um Aufträge zu erfüllen, benötigt man entweder Agenten auf bestimmten Gebäuden oder den Besitz von Bestechungen oder Geheiminformationen. Da man diese lediglich haben, aber nicht abgeben muss, kann man sich durch das Sammeln bestimmter Auftragsarten tolle Kombinationen zusammenstellen. 


Fazit
Vienna ist die überarbeitete Version von La Isla, welche 2014 bei alea erschienen ist. 
Zum ersten Mal gespielt habe ich Vienna auf dem Queen Games Event im September und fühlte mich zu Beginn von dem Spielfeld etwas erschlagen. Es enthält viele Informationen und wirkt zunächst unübersichtlich und unstrukturiert. Das muss man erstmal durchblicken. 

Doch das hielt mich nicht ab und ich war schnell begeistert. Besonders die Mechanik mit der Action Queue hat mir sehr gut gefallen. Jede Runde auszutüfteln, wie man die Karten optimal miteinander kombiniert und sich zusätzlich eine Kette aus Dauereffekten aufzubauen, macht Vienna für mich besonders. Jede Runde aus lediglich 3 Karten das Optimum rausholen ist fast schon eine Knobelaufgabe.


Darüber hinaus ist die Downtime übersichtlich, da alle gleichzeitig überlegen und ihre Karten legen. Die Züge danach gehen eigentlich immer recht zügig. Außer ein Spieler hat seinen ursprünglichen Plan bei der Wahl der Karten vergessen oder die Pläne wurden von einem Mitspieler durchkreuzt und man wird zum umplanen gezwungen. 

Unsere Erstpartie (4 Spieler) beim Queen Games Event Schritt voran und irgendwann kam der Punkt an dem es begann sich zu ziehen. Das Spielbrett war leer, es schien kaum noch sinnvolle Aktionen zu gebe und das Spielende war weit weg. 
Doch was war passiert? 
Wie bereits erwähnt, löst der Detektiv das Spielende aus. Dieser bewegt sich immer einen Schritt weiter, sobald eine Geheiminformation über eine Schwelle schreitet. Allerdings passiert dies maximal einmal pro Runde. Mehr Schritte darf der Detektiv nicht laufen. 

Jetzt kam es bei uns zu dem Phänomen, dass wir alle gleichmäßig die Geheiminformationen bewegt hatten und so 2-3x pro Runde über die Schwelle gingen. Der Detektiv sich also extrem langsam bewegt hat. Wir haben das Spiel dann irgendwann abgebrochen. 
Ich fühlte mich sehr ernüchtert, da mir Vienna zu Beginn so gut gefallen hatte. 

Wie wir später erfahren hatten, wurde diese Regel – dass der Detektiv sich nur einmal pro Runde bewegen darf – erst sehr spät dem Spiel hinzugefügt. Damit sollte die Problematik geheilt werden, dass das Spiel ansonsten zu schnell voranschreitet und zum einen dann viel zu schnell endet und zum anderen keine Münzen vorhanden sind um Updates zu kaufen oder Agenten zu bezahlen. 

Tja, wir blieben an der Stelle ratlos zurück und fragten uns, ob wir jetzt einen super selten Einzelfall und damit einfach nur Pech hatten.

Da der anfängliche Eindruck so positiv war, wollte ich Vienna noch eine Chance geben und habe es nach dem Queen Games Wochenende noch einige Male gespielt. 
Und was soll ich sagen? Diese merkwürdige Situation hatten wir anschließend nicht mehr. Vienna war immer genau im richtigen Moment zu Ende. Allerdings haben wir auch immer zu dritt gespielt. Ich kann daher nicht sagen, ob es nicht eventuell ein Problem ist, das gehäuft bei 4 Spielern auftritt. 

Was mir an Vienna am besten gefällt ist definitiv die Mechanik mit den Karten und das alle gleichzeitig überlegen. Die Aktionen gehen schnell und die Interaktion untereinander hat ebenfalls ein angenehmes Level. Auch wenn es mal zu der Situation kommen kann, dass man aufwendig seine Agenten postiert und dann ein Mitspieler kommt, der einem im letzten Moment die Geheiminformationen und die Siegpunkte wegschnappt.

Durch die Daueraktionen auf den Karten lassen sich zusätzlich tolle und starke Kombinationen schaffen. Wobei man bei den Karten natürlich auch abhängig ist vom Glück. Bei der Expertenversion hat man im Spielverlauf die Möglichkeit durch upgraden des Schreibtisches eine zusätzliche Karte als Auswahl zu erhalten und hat damit etwas Auswahlmöglichkeit. Insgesamt lassen sich durch die Upgrades  verschiedene Strategien verfolgen, wodurch Vienna mehr Tiefe erhält. 

Bewegt man seine Agenten geschickt durch die Stadt und hat passende Dauervorteile ausliegen, kann man mit wenigen Bestechungssmitteln optimal die Geheiminformationen absammeln und somit den anderen immer einen Schritt voraus sein. 

Allerdings sollte man immer den nötigen Obulus auf der hohen Kante haben, wenn der Zahltag näher rückt. Denn ansonsten machen sich die Agenten vom Acker. Bei einer Partie konnte ein Mitspieler nur einen Agenten bezahlen und musste die übrigen abräumen. Davon hat er sich nicht mehr erholt. Die Agenten aus dem Vorrat zurück auf den Plan zu bringen hat ihn viel Zeit und Bestechungsmittel gekostet. Er war deutlich Letzter bei dieser Partie. 

Vienna ist relativ schnell erklärt, passt in die Kategorie "Easy to learn, hard to master." und hat mich definitiv überzeugt. Zusätzlich sieht es auf dem Tisch (und in der Box!) sehr hübsch aus. 

Aber bitte nicht anfassen ;)

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Vienna von Stefan Feld
Erschienen bei Queen Games
Für 2 bis 4 Spieler in 60-90 Minuten ab 14 Jahren

sämtliche Bilder sind von uns selbst erstellt oder vom jeweiligen Pressematerial des Verlages (hier Queen Games)
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