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Mittwoch, 2. September 2015

Auf den Spuren von Marco Polo - Bekanntes mit dem gewissen Etwas

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Hans im Glück ist ja bekannt für seine Euro-Schwergewichte. Alljährlich kommt die "große Neuheit" und bereits im Vorfeld rätseln alle, was es denn dieses Mal sein könnte. Natürlich probiere ich diese Neuheit dann auch immer brav aus. Ich will ja schließlich mitreden dürfen.
Nach einer gut geölten Siegpunktmaschine in Russian Railroads, sah der Folgetitel Helios dann eher weniger Licht, was dann aber geschichtsträchtig mit Die Staufer wieder abgerundet wurde.
Mit Auf den Spuren von Marco Polo kam dann 2015 der nächste Titel auf den Markt. Und ja, es ist schon ein Weilchen her. Und ja, ich weiß auch, dass bereits viele Blogger und Rezensenten sich der Sache angemommen haben. Aber was haben wir in der Schule gelernt? Richtig, Wiederholungen festigen das Wissen! Nein, mal im Ernst. Ich lasse es mir doch natürlich nicht nehmen auch hier mal meinen ganz eigenen Senf höchstpersönlich dazuzugeben. Basta!


Um was geht es in Auf den Spuren von Marco Polo? Wir versuchen in fünf knapp bemessenen Runden siegpunkttechnisch das Beste aus unserem Spiel rauszubekommen. Dabei haben wir rein mechanisch betrachtet ein Arbeitereinsetzspiel in Würfelform. Diese werden zu Beginn der Spielrunde geworfen und wollen dann, je nach Würfelanzahl möglichst optimal auf verschiedenste Felder eingesetzt werden. Dabei reisen wir auf der berühmt berüchtigten Route bis hin nach Bejing (China), errichten lukrative Handelsposten, erfüllen lohnenswerte Aufträge und handeln mit gewinnbringenden Ressourcen.
Klingt nach einem 0815 Standard Eurospiel? Womöglich! Doch weit gefehlt. Die würzige Brise Chili in Form von unterschiedlichen Sonderfähigkeiten der einzelnen Charaktere bringt erst die richtige Würze und somit das gewisse Etwas in den zwar durchaus gut gekochten, aber alltäglichen Mechanismenbrei.


Aber gehen wir doch da mal etwas mehr ins Detail. Thema Sonderfähigkeiten. Jeder bekommt zu Beginn des Spiels einen Charakter zugeteilt. Dabei sind wir nicht nur Marco Polo himself, sondern auch weniger berühmte Handelsasse, wie beispielsweise sein dritter Cousin väterlicherseits Giovanni. Oder wie hieß er doch gleich? Ist ja auch egal, oder?
Sonderfähigkeiten sind ja noch immer nicht so das gelbe vom Ei und eigentlich auch nix wirklich besonderes. In Auf den Spuren von Marco Polo aber schon, denn diese Sonderfähigkeiten beugen die Spielregeln in einer solchen Form, dass zu Beginn einer Spielrunde unweigerlich ein kritisches Augenbrauenheben beim Vorlesen der jeweiligen Fähigkeiten erfolgen muss.
Beispiel: Wie bereits erwähnt, würfeln wir bei Auf den Spuren von Marco Polo munter immer unsere Arbeiter. Das Geschick besteht also zum großen Teil darin, dass wir aus den uns zufällig vorgebenen Möglichkeiten das Bestmögliche herausholen. Oft entstehen Pläne für die aktuelle Runde also erst beim Würfeln selbst. Dass eine Sonderfähigkeit lautet: "Du musst nicht würfeln, sondern darfst die Würfelaugen Dir so zurecht legen, wie Du magst" wirkt auf den ersten Blick.... hart! Wobei "hart" noch milde ausgedrückt ist. Mein erster Gedanke war viel eher (Kinder mal eben die Ohren zuhalten) "Verdammte *******, das kann doch nicht Euer Ernst sein?!"
Gut, Ihr seht, worauf ich hinaus will. Und die anderen Sonderfähigkeiten sind nicht anders. Der eine hat einfach einen permanenten zusätzlichen Arbeiter an Bord, der andere startet einfach ganz frech von Bejing (also vom Zielort) aus und wieder ein anderer baut Handelsposten, die andere mühevoll errichten müssen, quasi im Vorbeigehen. Schon irgendwie krass. Anders kann man es eigentlich nicht beschreiben.


Es gibt so viele Brettspiele. Es gibt gute, es gibt schlechte und es gibt welche, die gehen in der breiten Masse einfach unter, weil eben das gewisse Etwas fehlt. Dass ein Spiel in der eigenen Sammlung bleiben darf und auch - trotz vermehrter Mehrheitenflut - nach einigen Monaten noch mit Freude auf den Tisch gebracht wird, kommt also maßgeblich bei mir darauf an, ob es etwas anders macht. Wie dieses "anders" aussieht, kann immer unterschiedlich sein. Auf den Spuren von Marco Polo macht etwas anders. Die Autoren haben es geschafft eine Idee von Spezialfähigkeiten so zu entwerfen, dass diese einerseits die Spielregeln derart beugen, dass sich die Pöppel vor Schreck umlegen, aber andererseits diese dennoch so fein aufeinander abgestimmt sind, dass kein Ungleichgewicht entsteht. Es macht unheimlich viel Spaß die einzelnen Charaktere zu entdecken und sich auf deren ganz spezielle Spielidee einzulassen. Denn durch die harte Änderung der Regel entsteht bei jedem Charakter eine völlig neue Spielstrategie. Legt man dann noch variablen Aufbau, die Kombination der unterschiedlichen Charaktere und ein feingeschliffenes, bekanntes aber funktionierendes Euro-Mechanismengerüst in die Spielpackung, dann muss man neidlos anerkennen: Wow, das Spiel gefällt unheimlich gut.



Auf den Spuren von Marco Polo von Simone Luciani und Daniele Tascini
Erschienen bei Hans im Glück Spiele
Für 2-4 Spieler in ca. 75 Minuten
Boardgamegeek-Link

Vielen Dank an Hans im Glück Spiele für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Hans im Glück Spiele)

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