Freitag, 22. Dezember 2017

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Jahr 2018

1 comment


Juhu, es ist mal wieder soweit. Weihnachten steht vor der Tür und wieder ist ein Jahr rum. Mensch geht das immer schnell. Traditionell ist dies ja die Zeit um zurück zu blicken und auf das Erreichte zu schielen, sowie gute Vorsätze für das neue Jahr zu schmieden.

Das Jahr 2017 war für mich als Blogger ein erfolgreiches. Mit meinen Co-Redakteuren Oli und Alexej habe ich zwei tolle Mitstreiter gefunden, die wie erwartet die Bandbreite des Blogs deutlich vergrößert haben. Oli mit seinen Familien- und Kinderspielrezensionen und Alexej mit den kurzen Zweiern.

Auch die Zusammenarbeit mit den Verlagen habe ich ein klein wenig ausgebaut, und konnte den ein oder anderen neuen Kontakt knüpfen, sowie alte bestehende pflegen. Das, was mir persönlich aber am meisten am Herzen liegt ist der Kontakt zu den Lesern. Gerade auf Facebook hat sich die Interaktionsrate deutlich erhöht. Das macht Spaß und leitet auch mehr Leute zum Blog an sich.

Auch eine Folge der größeren Redaktion sind die deutlich häufigeren Rezensionen, die wieder regelmäßiger erscheinen. Mit drei Mann schreibt es sich einfach schneller und mehr. Ich habe sogar mittlerweile das Luxusproblem, dass ich ein paar Texte auf Vorrat legen kann. Früher undenkbar! - aber so unglaublich beruhigend.

Meine Vorsätze fürs neue Jahr? Den Trend fortsetzen. Ich bin weiterhin auch offen das Team weiter zu vergrößern. Grundvoraussetzung ist natürlich, dass es passt. Die Liebe zum Schreiben muss erkennbar sein. Zuverlässig muss er/sie sein. Freundlich. Ein Teamplayer/in. Ihr wisst schon. Wenn ihr einen kennt, der einen kennt, der einen kennt. Dann sagt ihm mal, dass er sich bei mir melden kann. Das ein oder andere Rezensionsexemplar fällt dann sicherlich auch mal ab ;-)

Genug der Werbung. Besinnlich soll das ganze hier ja auch sein und keine Werbeveranstaltung ala Apple. Ich wünsche Euch also frohe Festtage und einen guten Rutsch ins Jahr 2018. Hier im Blog geht es dann erst im neuen Jahr wieder weiter. Bis dahin: Genießt die Zeit.

Euer,
Andreas

zum Artikel...

Photosynthesis

Hinterlasse einen Kommentar

Photosynthesis gehört definitiv zu den Hype-Spielen der Spiel 2017. So gut wie jeder kannte es, fast alle wollten es und deswegen habe ich es mir natürlich auch geholt. Unbekannter Autor, erfrischendes Thema, tolle Komponenten. Was kann man da schon falsch machen?

In Photosynthesis übernehmen wir die Rollen von…. ähm… Förstern? Baumanführern? Naja egal. So richtig klar ist der Background nicht, aber wir versuchen auf jeden Fall Bäume zu pflanzen, diese wachsen zu lassen und dann im richtigen Moment ins Baumnirvana verschwinden zu lassen, um Siegpunkte zu bekommen. Richtig. Es geht mal wieder um Siegpunkte. Surprise!!
Photosynthesis it dabei ein vollkommen abstraktes Spiel ohne Glücksmomente. Darüber täuscht auch nur im ersten Moment das äußerst liebevoll gestaltete Innenleben der Box hinweg. 3D-Bäume, schicke Grafiken, eine umherwandernde Sonne. Photosynthesis tut wirklich alles um die Spieler an den Tisch zu locken. Doch kann es die da auch langfristig halten? Spannungsmoment. Später mehr!


Grundsätzlich versuchen wir in Photosynthesis mit Hilfe von Sonnenpunkten (herkömmliche Aktionspunkte) Bäume zu pflanzen. Langfristiges Ziel ist es aus einem Samen einen kleinen Baum wachsen zu lassen, daraus einen mittleren und später einen großen. Letzterer sollte möglichst zentral auf dem gemeinsamen Spielfeld stehen, denn da gibts die meisten Siegpunkte, wenn ich ihn vergehen lasse.
Dreh- und Angelpunkt der Spielidee von Photosynthesis ist das Licht- und Schattenspiel. Am Ende einer jeden Spielrunde bekomme ich nämlich nur entsprechend weitere Sonnenpunkte, wenn mein Baum von der Sonne angestrahlt wird. Diese wandert nicht nur sprichwörtlich, sondern in Photosynthesis sogar tatsächlich, kundenweise weiter um das Spielfeld herum und wirft Sonnenstrahlen in die entsprechend passende physikalische Richtung. Aber Obacht! Licht bekomme ich mit meinem Baum natürlich nur ab, wenn er nicht im Schatten eines anderen Baumes steht. Aha! Und jetzt kommen wir zum interessantesten Teil von Photosynthesis.


Wie auch in echt gilt in Photosynthesis: Je größer der Baum, umso länger sein Schatten. Stehe ich mit meinem Mini-Bonsai quasi direkt hinter einen riesigen Nordmanntanne, gibts für mich keine Sonnenpunkte zu holen. Die wirft nämlich sogar noch den eigenen Schatten viel weiter, als bloß um ein Feld. Dass das nächste Runde bei anderem Sonnenstand ganz anders aussehen kann und ich vielleicht sogar nicht nur Sonne abbekomme, sondern auch einen anderen gleichsahen Baum verdecke, steht auf einem anderen Blatt.
Photosynthesis ist ein stetes Ringen um den sprichwörtlichen Platz an der Sonne. Meine Bäume wollen geschickt platziert werden, um nicht nur möglichst viele Sonnenpunkte abzubekommen, sondern den anderen Spielern auch möglichst viele Sonnenpunkte zu verhindern. Ganz schön gemein so ein Baumstellungskrieg. Da auch in dieser Runde entgangene Sonnenpunkte mir nächste Runde fehlen, um mein Baumimperium weiterzuentwickeln, ist selbstredend.


Das Leben am Waldrand könnte in Photosynthesis also so einfach sein. Pustekuchen. Ihr erinnert Euch, dass ich anfangs erwähnt hatte, dass es die Siegpunkte nur in der Mitte gibt? Achso! Ich habe also keine Wahl. Ich muss mich nach innen bewegen. Und wer nur ein klein wenig Vorstellungsvermögen hat, wird merken, dass es in der Mitte nur noch schlimmer wird. Mehr Bäume auf engerem Raum bedeuten mehr Schatten und mehr Stellungskrieg. Was nun?
Photosynthesis ist hart. Sehr hart. Photosynthesis täuscht mit seiner liebevollen Aufmachung schlicht und einfach darüber hinweg, dass dahinter ein knallhartes abstraktes Spiel steckt. Sieht man zunächst die 3D-Elemente, die fröhliche Grafik und das friedliche Thema ahnt man ja nicht im entferntesten, was man bei Photosynthesis zu erwarten hat. Photosynthesis hat teilweise sogar schon schachartige Züge. Man kann seine Züge - nein, man muss seine Züge, weit im Voraus planen. Wie schaffe ich es in die Mitte? Kann ich hier meine Mitspieler blockieren? Verweile ich erstmal am Rand oder wage ich einen forschen schnellen Zug zur Mitte?


Photosynthesis ist echte Arbeit. Mir persönlich sogar zu viel Arbeit. Mit vier Spielern fast schon nicht zu empfehlen, da einfach zu viel bedacht werden will. Keine Frage. Das Spiel schafft es - trotz des abstraktes Mechanismus das Thema perfekt zu transportieren. Aber das reicht mir nicht.
Zudem ist das Spiel extrem anfällig für Spieler mit langer Nachdenkphase, sodass ein eigentliches flottes Spiel sich ganz schnell in die Länge ziehen kann. Mich persönlich sollen Spiele unterhalten. Photosynthesis fühlte sich stets eher anstrengend an, als locker und leicht. Nicht falsch verstehen. Ich habe auch nichts gegen denklästige Euros, aber irgendwie habe ich das Gefühl dort mehr Lohn für meine Mühen zu bekommen. Photosynthesis lässt mich nach dem Denksport eher erschöpft zurück, als befriedigt.
__________________________________________________________________________________ 


Photosynthesis von Hjalmar Hach
Erschienen bei Blue Orange Games
Für 2 bis 4 Spieler in ca. 60 Minuten

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Blue Orange Games)
zum Artikel...

Montag, 18. Dezember 2017

Neu auf Kickstarter - 51. Kalenderwoche

Hinterlasse einen Kommentar

So, da sind die letzten Kickstarternews vor Weihnachten. Hat noch jemand vom Jahresbudget etwas übrig? Dann kann er hier gegebenenfalls fündig werden. Zumindest das erste Projekt ist sicherlich für viele interessant. die beiden anderen sind eher etwas für Liebhaber, wie ich finde. Was denkt Ihr?
zum Artikel...

Sonntag, 17. Dezember 2017

Der Mysteriöse Wald

Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt ja einige Spiele, bei denen allein die Gestaltung der Verpackung Packung einen derartig anlacht, dass man nicht umhin kommt, das Spiel einmal zu spielen und zu schauen, ob der Spielspaß mit dem Design mithalten kann. Der Mysteriöse Wald fällt ganz eindeutig in diese Kategorie.

Die Packung ist wunderschön gestaltet und lässt ich wie ein Buch aufklappen. Der Inhalt der Packung besteht nun lediglich aus einer Miniatur des Titelhelden, einem Pappaufsteller, vier Würfeln, einem Spielbrett mit einem Rucksack darauf sowie ein paar Karten und der obligatorischen Spielanleitung. Auf die Innenseite des Deckels wurde zudem als thematischer Einstieg in die „Wormworld Saga“ (falls nicht bekannt: einfach mal googeln) ein kurzer Comic abgedruckt und auch ansonsten sind alle Komponenten der Spiels durch und durch schön gestaltet und machen einen wertigen Eindruck. Die Anleitung ist (wichtig für ein Kinderspiel) schnell gelesen, ist aber ein der ein oder anderen Stelle leider nicht ganz eindeutig. Grundsätzlich kommt man aber gut klar und wenn man das Spiel erstmal gespielt hat, erledigen sich die meisten Fragen von allein.


Zunächst werden je nach gewünschtem Schwierigkeitsgrad einige Waldkarten verdeckt in einer Reihe auf den Tisch gelegt, gefolgt von einer Wandererkarte und noch einmal Waldkarten. Am Ende kommt die Schlusskampfkarte.

Reihum deckt nun jeder Spieler eine Karte auf und merkt sich die dort abgebildeten Gegenstände und legt sie verdeckt wieder auf den Tisch. Ob das jeder für sich macht oder die Gruppe dies gemeinsam macht, ist der Gruppe selbst überlassen. Da es sich um ein kooperatives Spiel handelt, ist beides möglich. Hat jeder eine Karte angesehen, geht es reihum mit den nächsten Karten weiter und so fort, bis alle Karten einmal angeschaut wurden. Nun wird reihum mit den vier Würfeln gewürfelt. Ist man selbst am Zug wählt man sich zwei seiner Würfelergebnisse aus und nimmt die entsprechenden Gegenstände als Pappmarker in den Rucksack (= Spielbrett) auf. Hierbei sollte man immer bedenken, welche Gegenstände man sich merken musste, da man genau diese Gegenstände im weiteren Spielverlauf benötigen wird. Auch können hierbei Joker erspielt werden, die man später für alle Gegenstände einsetzen kann. Auch diese Spielphase geht reihum weiter, bis der Rucksack voll ist.


Anschließend geht die Reise durch den Wald los. Die erste Karte wird aufgedeckt und die Spieler geben die dort aufgedruckten Gegenstände (oder eben Joker) ab und setzen die Reise mit der nächsten Karte fort. Trifft man auf den Wanderer, kann man diesem die bei ihm abgebildeten Gegenstände geben, um zwei weitere Joker zu erhalten. Dies muss man jedoch nicht tun. Als letzte Karte wartet die Schlusskampfkarte mit der Königin der Draconia. Diese besiegt man, indem man die auf ihrer Karte abgebildeten Gegenstände ablegt. 
Schafft es die Gruppe, die Königin zu besiegen, haben alle das Spiel gewonnen. Schafft man es nicht, oder kommt man erst gar nicht bis zur Königin, so haben alle das Spiel verloren.


Grundsätzlich ist Der Mysteriöse Wald also ein eher seichtes, aber dafür rundum schön gestaltetes Kinderspiel. Schön ist hierbei auch die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad durch die Anzahl der Waldkarten zu variieren. Unser 8jähriger fand das Spiel auch wirklich schön gestaltet und hatte nach der ersten Runde Lust auf (mehr als eine Revanche). Für Kinder ist das Abenteuer also wirklich gut geeignet. Für Erwachsene aber dann doch einen Tick zu seicht. Aufgrund der knackigen Spielzeit von grade mal 15 Minuten ist es aber für den Familienbrettspieltag bestens als kurzes Intermezzo geeignet.

Mir persönlich kam aufgrund der Thematik immer wieder Reiner Knizias „Der Herr der Ringe“ in den Sinn, denn auch hier müssen ja Symbole abgegeben werden, um weiter zu kommen. Aber zugegeben: das ist auch die einzige Gemeinsamkeit dieser beiden Spiele ;)

_________________________________________________________________________________


Der Mysteriöse Wald von Carlo A. Rossi
Erschienen bei iello
Für 2-4 Spieler in ca. 15 Minuten
Boardgamegeek-Link


sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier iello)
zum Artikel...

Montag, 11. Dezember 2017

Viral

Hinterlasse einen Kommentar

Pünktlich zur kalten Jahreszeit bekommt Ihr von mir ne schöne Packung mit Viren präsentiert. Nein, die BoardgameMonkeys haben nicht vergessen die neuste Sicherheitssoftware draufzuspielen. Es geht natürlich um meine Rezension zu Viral. Ihr erfahrt also im Laufe des Textes, ob das Spiel eher infiziert zum nochmal spielen oder ob es ganz einfach zum ko........... (Ihr wisst schon was). Puh, thematische Einleitung geschafft *schulterklopf*. Und weiter im Text.


In Viral übernehmen wir die Kontrolle über einen Virenstamm und versuchen im Körper eines Menschen möglichst viel Schaden anzurichten. Dabei versuche ich gezielt meine eigenen Viren in bestimmten Organsystemen zu platzieren und einzelne Teile des Körpers zum kollabieren zu bringen. Mein größter Feind? Die anderen Viren und der Onkel Doktor. Während mich erstere versuchen wegzudrücken und auszutricksen, um selbst den Patienten bestmöglich um die Ecke zu bringen, steckt mir letzterer ganz einfach ne fette Spritze rein, wenn ich es mal wieder übertrieben habe.
Was jetzt erstmal ziemlich extrem und - sagen wir - unpassend klingt für ein Brettspiel, das sich spielerisch im Familienbereich ansiedelt, muss ganz schnell von mir relativiert werden. Die äußerst putzigen Grafiken und die sehr humoristischen Karten geben dem Spiel ganz schnell einen viel friedlicheren Eindruck. Man merkt: Es ist Comic. Später aber mehr dazu.


Gespielt wird in sechs Runden und jeweils sechs Phasen, wobei diese außerordentlich schick auf dem Spielplan bebildert sind und so für Übersicht sorgen. Am Ende des Tages möchte ich die meisten Siegpunkte auf dem Konto haben. Diese erhalte ich grundsätzlich durch Mehrheitenwertungen. Richtig. Viral ist ein Mehrheitenspiel. Die einzelnen Regionen sind die Organe unseres Opfers. Herz, Niere, Darm. Alles dabei. Unterschiedliche Regionen bringen unterschiedliche Siegpunkte. Die werden ausgeschüttet, sobald ein Organ kollabiert, d. h. eine gewisse Anzahl an Viren in sich trägt. Als kleinen Nebeneffekt gibts dann auch noch die Forschung des Arztes, den der Patient im Laufe des Spiels immer wieder konsultiert. Viren haben es schon auch nicht leicht.

Meine Spielaktionen werden über Aktionskarten getrieben. Jede Runde spiele ich davon zwei meiner Handkarten, welche zu Beginn noch für jeden Spieler identisch sind. Im Laufe des Spiels entwickle ich meinen Virus aber entsprechend und kann einzigartige Aktionen erlernen. Ich entwickle Saugnäpfe, ich werde besonders tödlich, ich trete als Schwarm auf etc. Zu jeder Aktion muss ich eine Region verdeckt wählen. Wichtig ist auch, dass die zwei gewählten Aktionen und Regionen nach der Runde erstmal für die kommende Runde aus dem Spiel sind. Das begrenzt einerseits meine Möglichkeiten in der folgenden Runde, sorgt aber auch für ein taktischeres Spiel, das ich gegebenenfalls überlegen muss, wie ich meine Viren gut im Körper verteile. 
Verteilen ist ein gutes Stichwort. In Viral kann ich mich nämlich mit meinen Viren nicht nach belieben bewegen. Jedes Organ ist mit dem Blutkreislauf verbunden und der besteht aus vielen Einbahnstraßen. Gefahren wird, wie im Straßenverkehr, nur in Pfeilrichtung. Blöd nur, dass bei der ansonsten grafisch tollen Umsetzung und klaren Ikonographie, die Pfeile für mich persönlich nicht sonderlich deutlich zu erkennen sind. Die sind einfach zu klein und dünn!


Weiterhin ist Viral mit einzelnen - schön thematischen - Ereigniskarten gespickt, die schon zu Beginn einer Runde sichtbar sind, aber erst Mitte der Runde abgehandelt werden. Hat der Patient beispielsweise Liebeskummer, gibt es eine extra Mehrheitenwertung im Herzen. Ich kann also gezielt darauf Hinspielen - oder bewusst den anderen Weg gehen, da sich der Rest auf ein einzelnes Organ fokussiert. Für Interaktion ist auch insofern gesorgt, als dass einzelne Aktionskarten die gegnerischen Viren betreffen. So kann ich diese nämlich auch angreifen, wegschubsen oder ranziehen. Das sorgt schon für erheblichen Ärgerspaß und macht natürlich mit umso mehr Spielern mehr Spaß.

Viral gehört für mich in die Kategorie "unteres Kennerspiel". Viele sehen sicherlich das Thema als problematisch an. Es gehört sich halt nicht einen Virus zu spielen und dafür belohnt zu werden, wenn man es schafft das Herz zum kollabieren zu bringen. Okay, ist eine Meinung. Diese Leute spielen vermutlich aber auch kein Chaos in der alten Welt, in welchem es darum geht die Welt zu vernichten, oder auch kein Axis and Allies, weil man dort unter Umständen als Faschist versucht ein Land auszulöschen. Ich persönlich habe damit kein Problem. Ein Spiel bleibt ein Spiel. Viral setzt sich zudem durch seine grafische Aufmachung und seinem gesamten Erscheinungsbild ab. Es ist bewusst in einem Comicstil gehalten und nimmt das gesamte Thema mit Humor auf. Die einzelnen Viren sind teilweise richtig knuffig gezeichnet und man kann es ihnen nicht wirklich übel nehmen, wenn sie sich im Körper ausbreiten wollen. Fast tun sie einem sogar schon leid, wenn der böse Onkel Doktor mit der großen Spritze kommt.


Spielerisch ist Viral schick. Die Mechanismen tragen über die gesamte Spielzeit. Es gibt einerseits genug interessante Entscheidungen zu treffen, andererseits nehmen diese auch nicht Überhand. Dadurch, dass z. B. nach einer jeden Runde zwei Aktionen und zwei Regionen für den Spieler aus dem Spiel sind, sind die weiteren Optionen übersichtlich.
Was mir persönlich an Viral sehr gut gefallen hat, war die thematische Einkleidung des Spiels. Es ist eben kein typisches Eurospiel mit aufgesetztem Thema, was genauso gut in einer mittelalterischen Stadt in Europa spielen könnte, sondern die einzelnen Mechanismen ergeben Sinn. Dadurch ist Viral schnell erklärt, schnell verstanden und spielt sich sehr flüssig. Die Züge sind kurz und flott abgehandelt. Kurzum: Viral macht süchtig nach mehr!

__________________________________________________________________________________ 


Viral von Gil d´Orey und Antonio Sousa Lara
Erschienen bei Corax
Für 2 bis 5 Spieler in ca. 75 Minuten

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Corax)
zum Artikel...

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Game of Thrones: Kampf um den Eisernen Thron

2 comments

Okay, wir (Fans der Serie) warten sicherlich alle schon sehnsüchtig auf die letzte Staffel in 2018. Warum sich also nicht die Wartezeit mit einem Brettspiel, was die HBO-Serienlizenz hat versüßen? Ja, Ihr habt richtig gehört. Game of Thrones: Kampf um den Eisernen Thron hat (nicht wie sonst fast alle Spiele in diesem Universum) die Serien- und nicht die Buchlizenz. Und diese - soviel sei vorweggenommen - wurde würdig umgesetzt. Große Charakterportraits, die keinesfalls billig wirken, wie bei so manch einer Lizenzverwurstung im Brettspielbereich. Geschmack ist zwar bekanntlich streitbar, aber ich finds toll.


Spieltechnisch haben wir es hier mit einer Art Neuinterpretation vom Klassiker Cosmic Encounter zu tun. Neuinterpretation insofern, als dass sich Kampf um den Eisernen Thron zwar sehr vieler Mechanismen bedient, aber durchaus neu konstruiert und anordnet.
In Kampf um den Eisernen Thron übernehmen bis zu fünf Spieler die Rollen der großen Häuser in Westeros (kein Greyjoy, kein Martell ohne Erweiterung) und versuchen schnellstmöglich ihren Einfluss auf die anderen Häuser zu verteilen. Dabei gilt es (wie auch in der Serie) lose Bündnisse einzugehen, diese wieder zu brechen und im richtigen Zeitpunkt seine Partner zu hintergehen. Klingt thematisch? Ist es auch!


Dabei darf jeder Spieler einen ikonischen Anführer seinen Hauses auswählen, der für den Rest der Partie die spielerspezifische Sonderfähigkeit bestimmt. Ned Stark für den friedliebenden Spieler am Tisch, Tyrion für den diplomatischen, Khan Drogo für den Coolness-Faktor oder Joffrey, falls man einfach ein kleiner Sadist ist (ganz im Ernst: Wer wählt freiwillig Joffrey?!?). Die restlichen Persönlichkeiten des Hauses landen auf dem Schlachtfeld und versuchen in den folgenden Runden die Schlachten in Westeros für sich zu entscheiden.

Zu Beginn einer jeden Spielrunde bekommen wir dabei zufällig unseren nächsten Kriegsgegner zugelost und wählen den Anführer, der unsere Truppen in die Schlacht führen soll. Hat dies auch der Verteidiger getan, bieten sich die restlichen Häuser von Westeros reihum an und haben die Möglichkeit den Aggressor oder den Verteidiger zu unterstützen (oder halten sich raus). Dann geht der Kampf los. Jeder Spieler spielt verdeckt eine seiner Handkarten, die ihren Kampfwert zur Stärke der anwesenden Anführer hinzuzählt. Wer mehr hat, gewinnt. Ist das der Angreifer, lege ich einen Machtmarker aufs unterlegene Haus (im übrigen auch jedes Haus, dass mich unterstützt hat). Gewinnt der Verteidiger und darf seine Anführer stärken (auch die Unterstützer). In jedem Fall verlieren die unterlegenen Helden Machtpunkte (= Lebenspunkte). Geiseln können auch noch genommen werden, die wir später foltern dürfen (später mehr).


Der bloße Angriff ist aber nicht die einzige Kartenvariante, die in einer Schlacht gespielt werden kann. Richtig interessant wird es beiden Friedens- oder den charakterspezifischen Kampfkarten. Während letztgenannte tolle Spezialfähigkeiten aktivieren (sofern der gespielte Charakter auch der tatsächliche Charakter in der Schlacht ist), sorgen erstere dafür, dass (nur wenn beide eine solche Karte gespielt haben) die Streitparteien einen Deal machen dürfen. Hier kann alles verhandelt werden. Klassischerweise einigt man sich darauf, dass jede Partei einen Machtmarker auf der Gegenseite platzieren darf. Win-Win also.


Bis auf wenige Ausnahmen war es das auch schon regeltechnisch, was Kampf um den Eisernen Thron zu bieten hat. Karte aufdecken, Anführer auswählen, kämpfen. Das eigentliche Spiel findet jedoch zwischen den Regeln statt. Diese bilden quasi nur eine Art Gerüst, welches zwar erlernt werden muss, aber nicht den Hauptreiz ausmacht. Wirklich interessant sind die Verhandlungen zwischen den Spielern, die Intrigen, der Verrat, die Taktik, der Trashstalk am Tisch. Mit welchem Spieler kann ich kurzfristig ein Bündnis eingehen? Eine Hand wäscht ja bekanntlich die andere. Wenn ich hier ein dieser Schlacht meinem Gegner helfe, kann ich sicherlich auf seine Unterstützung in späteren Kriegen hoffen.... oder etwa nicht?

Kampf um den Eisernen Thron simuliert die Konflikte aus der TV-Serie perfekt. Es geht um wechselnde Allianzen, das Ausnutzen von vorteilhaften Situationen und das Abwarten des richtigen Momentes. Die sehr thematischen Sonderfähigkeiten der einzelnen Charaktere unterstreichen dieses Gefühl nochmals. Aber Achtung: Kampf um den Eisernen Thron ist dadurch sicherlich kein Spiel für jede Gruppe. Es ist eben kein Spiel, welches durch seine bloßen Mechanismen punktet. Es lebt vom Tischgespräch. Hat man nicht die passende Gruppe dafür, dann wird man hier eher mit fragenden Gesichtern den Spieltisch verlassen. Lässt sich jedoch die Gruppe auf das Spielen der Rollen ein und versetzt sich für eine oder mehrere Partien nach Westeros, dann kann man hier einen tollen Abend verbringen.


Noch kurz etwas zum Vergleich zu Cosmic Encounter. Cosmic Encounter hat mehr Vielfalt. Es lebt von den aberwitzigen Alienkombinationen, den teilweise mit Absicht völlig umbalancierten Spezialfähigkeiten und einer gehörigen Portion Chaos. Der Kampfkartenstapel bei Cosmic Encounter beispielsweise war riesengroß und stand für alle Spieler zur Verfügung. Es konnte also gut und gerne sein, dass manche Spieler nur starke Kampfkarten bekamen und manche Spieler nie wirklich gute. Bei Kampf um den Eisernen Thron wurde das geschickt gelöst. Jedes Haus hat jetzt seinen eigenen Stapel mit identischen Werten. Es ist also sicher, dass jeder die selben Werte ziehen kann - nur der Zeitpunkt ist ungewiss. Kampf um den Eisernen Thron fühlt sich generell einsteigerfreundlicher an als Cosmic Encounter. Es ist weniger chaotisch, zielgerichteter und das direktere Spiel. Das System mit den Geiseln bietet eine neue Möglichkeit zu verhandeln oder zu drohen, da im Zweifelsfall Hauptcharaktere zu Tode gefoltert werden können. Dieses neue Druckmittel gefällt mir äußerst gut. Für mich persönlich stehen sich beide Titel nicht im Weg. Klar ist, dass man nicht zwangsläufig beide Titel in seiner Sammlung haben muss, da sie sich doch im Grunde ähneln. Jetzt kommt es also nur auf thematische Vorlieben an und ob man mehr Chaos oder mehr Kontrolle in seinen Partien haben will.

__________________________________________________________________________________ 


Game of Thrones: Kampf um den Eisernen Thron von Bill Eberle, Justin Kemppainen, Peter Olotka und Greg Olotka
Erschienen bei Fantasy Flight Games
Für 3 bis 5 Spieler in ca. 60 Minuten

sämtliche Bilder sind von www.boardgamegeek oder dem jeweiligen Verlag (hier Fantasy Flight Games)
zum Artikel...

Montag, 4. Dezember 2017

Neu auf Kickstarter - 49. Kalenderwoche

Hinterlasse einen Kommentar

Heute haben wir mal wieder drei sehr interessante Projekte. Ich mache es kurz: Bin trotzdem bei keinem dabei. Ihr vielleicht?
zum Artikel...